Categories:

Kaufen die Deutschen auf Social Media-Kanälen?

Social Media Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok, Pinterest, Snapchat und auch YouTube erweitern kontinuierlich ihre Shopping-Funktionalitäten. Aus Inspirationsquellen werden Verkaufskanäle. Kooperationen wie die zwischen Shopify und TikTok erleichtern Unternehmen den Aufbau von Kampagnen zur Bewerbung der eigenen Produkte. Wer was über die sozialen Netzwerke kauft und welche Trends sich abzeichnen, lesen Sie im folgenden Artikel. Weitere Infos zu Instagram Shopping finden Sie auch in unserem Artikel Social Commerce mit Instagram und dem neuen Live-Shopping.

Wer kauft warum über Social Media?

Wir wollten wissen: Wie werden die Angebote von UserInnen in den Social Media-Kanälen bisher angenommen? Wir haben uns eine Reihe von Studien angesehen und fassen hier die zentralen Aussagen zusammen. Dabei geht es vor allem um die Fragen: Wie verbreitet ist Social Shopping bereits? Wer hat schon via Social gekauft bzw. kann sich das in Zukunft vorstellen? Und mit welchen Funktionalitäten und welchen Angeboten können Unternehmen am besten punkten?

Kaufen nur Jüngere über Instagram, Facebook & Co.?

Beginnen wir mit einer repräsentativen Umfrage unter Einwohnern in Deutschland ab 18 Jahren von YouGov (aus 10/2020). Dabei gaben 18 % der TeilnehmerInnen an, schon einmal via Social Media eingekauft zu haben. Weitere 22 % könnten es sich zumindest vorstellen. Bei den Befragten der Generation Z, also der nach 1996 geborenen Digital Natives, gaben insgesamt 30 % an, schon ein- oder mehrmals über ein soziales Netzwerk gekauft zu haben und 33 % könnten es sich vorstellen.
Die meisten der Social Shopper sind laut Umfrage Studierende zwischen 25 und 34 Jahren, weiblich (24 %) und viel bei Instagram und Facebook unterwegs. Sie sind besonders empfänglich für dort geschaltete Werbeanzeigen und Produktempfehlungen, etwa von Influencern.

Wer sind die Next Social Shopper?

Die für Unternehmen interessante Potenzialzielgruppe, diejenigen also, die sich vorstellen könnten, zukünftig über Social Media einzukaufen (Next Social Shopper), ist dagegen über 55 Jahre alt, männlich (36 %), politikinteressiert und eher markentreu. Influencer haben wenig Einfluss auf ihre Entscheidungen.

Next Social Shopper im Vergleich zu Social Shoppern

Mit welchen Angeboten punkten Unternehmen beim Social Shopping?

Die Studie zeigt, dass Rabatte bei allen Altersgruppen ein probates Mittel sind, um Social Commerce anzukurbeln. Gleich dahinter folgt das Angebot exklusiver Produkte, das vor allem die über 55-jährigen anspricht, und der Vorteil einer schnellen, einfachen Verkaufsabwicklung.

Angebote, die nur über den Social-Media-Kanal zu haben sind, locken auch die ältere Zielgruppe.

Wie funktioniert der Kaufabschluss beim Social Shopping?

In Deutschland findet der finale Kauf-Abschluss (Check-Out) zwar immer noch im Online-Shop des Unternehmens statt und nicht direkt auf einem Social Media-Kanal. Entsprechende Funktionalitäten, die auch diesen letzten Schritt auf die Social Media Plattform verlagern (in den USA bereits im Einsatz) könnten noch 2021 in Deutschland ausgerollt werden. Dadurch wird UserInnen einerseits der Kaufabschluss einfach und übergangslos ermöglicht. Andererseits verlagert sich damit auch die Kontrolle und Datenhoheit weiter in Richtung Plattformen.

Welche Produkte kaufen Social Shopper …

Aus einer für Greven erstellten Studie geht hervor, dass Mode am häufigsten über Soziale Kanäle gekauft wurde (16 %). Darauf folgen Schmuck, Accessoires, Bücher und Kosmetikartikel (je 11 %). Auch Tickets und Gutscheine wurden via Social Commerce erworben.

… und welche nicht?

Zum Zeitpunkt der Studie kam es für viele nicht infrage, Medikamente (66 %) und Lebensmittel (64 %) über Social Media zu beziehen. Laut eines Beitrags in Lebensmittelpraxis könnte sich Letzteres in Zukunft aber ändern. Unternehmen mit junger Zielgruppe wie beispielsweise Just Spices, My Muesli oder Oatsome setzen auf soziale Medien. Oatsome gab an, sogar einen Großteil seiner Neukunden direkt über Instagram zu generieren. Der Erwerb von Reisen (58 %), Dienstleistungen (56 %), Möbeln und Designobjekten (52 %) über Social Shopping kommt für über die Hälfte der UmfrageteilnehmerInnen nicht infrage. Allerdings sehen sie auch großes Potenzial: Fast die Hälfte kann sich vorstellen, in Zukunft Bücher (49 %) und Gutscheine (46 %) via Social Media einzukaufen.

Welche Rolle spielt Social Commerce im B2B-Bereich?

Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts für Handelsforschung in Köln (IFH Köln) ist der Verkauf im B2B-Bereich über Soziale Kanäle momentan nicht relevant. Durch die Krise und den Anstieg des Online-Handels haben aber auch B2B-Unternehmen dazugelernt. Social Media nimmt an Bedeutung für Sichtbarkeit, Neukundengewinnung und Interaktion mit dem Kunden zu. Facebook, Xing und LinkedIn liegen hier vorn. YouTube ist aber der Kanal mit dem meisten Potenzial. Laut IFH Köln sehen zwei Drittel der B2B-Unternehmen das Thema Social Commerce eher im B2C-Sektor. Die meisten Befragten sind aber der Meinung, dass Social Media auch im Geschäftskundensegment Kaufimpulse und -anreize schaffen kann.

Welches Potenzial hat Live-Shopping?

Live-Shopping – nicht nur via Social Media, sondern auch auf der Unternehmens-Website oder in der eigenen App – gewinnt auch hierzulande immer mehr Konsumenten-Herzen. Zwar haben laut IFH Köln erst 4 % der Befragten Live-Shopping genutzt, die Zeichen stünden aber auf Wachstum. Und zwar vor allem bei den Unter-30-jährigen. Die Begeisterung könnte hier von den Jüngeren auf die Älteren überspringen. Besonders im Bereich Beauty und Kosmetik stehen die Chancen gut. Ein Erfolgsbeispiel liefert die Make-up-Marke Jacks Beauty Line. In einem Interview mit Future Biz bestätigt die Inhaberin Miriam Jacks: „Wir verkaufen aktuell am meisten über Instagram.“ Eine Anzeige brächte lange nicht so viel wie eine Stunde Live-Shopping.

Live-Shopping auf Instagram: für Jacks Beauty Line ein Erfolgsrezept

Laut IFH darf dabei auch der Unterhaltungswert nicht unterschätzt werden. Dieses Argument bestätigt Miriam Jacks im Interview: „Wir sind die After Work Party für Frauen am Freitagabend.“
Eine Verbreitung wie in China (Schätzung Taobao Live für 2020: 39 % der chinesischen Bevölkerung = 560 Mio. KosumentInnen nutzen Live-Shopping-Angebote) ist vielleicht nicht zu erwarten, das Potenzial für einen Live-Shopping-Trend ist aber absolut vorhanden.

Fazit

Social Shopping/Social Commerce ist definitiv im Kommen. International weisen die Märkte China und USA den Weg und zeigen die Potenziale auf. In Deutschland sind derzeit bis zu 40 % der Bevölkerung aufgeschlossen, über Social Media-Kanäle zu kaufen, entweder direkt oder so reibungslos wie möglich im Online-Shop. Hierzulande geben bisher Instagram und Facebook den Ton an. Es drängen aber weitere Plattformen in den Markt. YouTube führt Beta-Tests in den USA durch, Shopping-Tools über Twitter und WhatsApp stehen auf der Startrampe und auch die in den letzten zwei Jahren stark nachgefragte App TikTok bringt sukzessive neue Funktionalitäten für Social Shopping auf den Markt. Schließlich darf man Pinterest, die Plattform für visuelle Suche und Inspiration, nicht unterschätzen! Pinterest hat ebenfalls eine Kooperation mit Shopify bekannt gegeben und ist mit seinen Produkt-Pins nahe an der Nutzerintention.

Dabei ist Social Shopping nicht für jede Produktkategorie ein Selbstläufer

Marken sollten jeden Kanal gezielt testen und prüfen, wie und wo sie ihre Zielgruppe erreichen und zum Kaufabschluss führen können. Sollen die Kunden direkt in Facebook und Co. shoppen oder sollten sie besser reibungslos in den eigenen Shop geleitet werden? Die Kundenbeziehung bleibt bei Letzterem besser erhalten. Bei den Funktionalitäten, die UserInnen aktuell am wahrscheinlichsten zum Social Shopping zieht, stehen Live-Shopping, Rabatt-Aktionen und exklusive Angebote ganz oben auf der Liste. 

Quellen:
YouGov: Social Shopping – die Zukunft des Online-Shoppings www.greven.de/blog/social-media-marketing/studie-social-commerce
www.ifhkoeln.de/vier-gruende-warum-live-shopping-eine-zukunft-hat
www.futurebiz.de/artikel/instagram-marketing-kmus-jacks-beauty-line
www.ifhkoeln.de/von-sichtbarkeit-bis-verkauf-social-media-nutzung-im-b2b

Tags:

No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.