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Social Commerce mit Instagram und dem neuen Live-Shopping

E-Commerce boomt und Social Commerce nimmt Gestalt an

Corona hat uns fest im Griff und das Einkaufserlebnis in den Geschäften der Städte hält sich derzeit in Grenzen. Was liegt da näher, als im Web zu shoppen? E-Commerce hat in Deutschland 2020 zweistellig zugelegt und im Umsatz die 80 Mrd.-Euro Marke überschritten (Quelle: wallstreet-online.de). Online-Shopping beschränkt sich aber längst nicht mehr auf Webshops und Marktplätze.

Auch Social Media-Plattformen mischen immer mehr mit und versuchen den User an der Stelle abzuholen, wo er/sie viel Zeit verbringt. In Facebook, Instagram und Co. Zwar stehen dort noch andere Aktivitäten – Entertainment, Kommunikation, Informationsaufnahme – im Vordergrund, aber viele Unternehmen präsentieren und bewerben ihre Produkte in den Social Media Kanälen. Zum Kauf dieser Produkte muss der User in Deutschland zwar weiterhin über die Webseiten und Onlineshops gehen, das Spielfeld verlagert sich jedoch zunehmend. Facebook hat Mitte Mai 2020 die neuen Facebook- und Instagram-Shops eingeführt, mit dem das Verkaufserlebnis mehr auf die Plattform rückt. In den USA ist bereits der Checkout direkt auf der Plattform möglich, eine Funktion die wohl auch in Deutschland nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt.

Social Commerce auf Instagram

Social Commerce, also das Verkaufen via Social Media, nimmt Fahrt auf. Rund 13 % der User haben laut IONOS bereits in einem Sozialen Netzwerk gekauft. Bisher sind dies tendenziell eher jüngere Zielgruppen, eine Entwicklung zur älteren Zielgruppen ist aber durchaus möglich. Affine Shopper bis 34 Jahre sind außerdem zahlungskräftig, was eine YouGov-Studie bestätigt. Auch Marketingexperten sehen das Thema an Bedeutung gewinnen. Laut einer Umfrage der Zeitschrift absatzwirtschaft sei Social Commerce eine der wichtigsten aktuellen Entwicklungen.

Social Commerce in der Marketingtrends-Matrix (absatzwirtschaft, Ausgabe 11/2020)

Ganz oben auf der Liste für die Kombination Social & Shoppen steht Instagram. Das Netzwerk hat mit knapp 25 Mio. Usern monatlich in Deutschland eine enorme Reichweite aufgebaut und will diese nun verstärkt zum Shoppen anregen.

Wenn Sie als Unternehmen mit ihren Produkten und Marken dabei sein wollen, müssen Sie zum Start folgende Schritte durchführen:

1. Schritt: einen Instagram Business-Account anlegen

Vorab sollten Sie mit der Checkliste für Instagram Shopping klären, ob Ihr Unternehmen die Shopping-Funktion nutzen kann, beispielsweise, ob Ihr Unternehmensstandort von Instagram unterstützt wird. Sie dürfen ausschließlich Produkte (keine Dienstleistungen) online verkaufen. Außerdem benötigen Sie eine Facebook-Unternehmensseite inklusive Business Manager. Um einen Instagram Business Account einzurichten:

  1. Öffnen Sie Ihr persönliches Instagram-Profil
  2. Klicken oder tippen Sie auf das Menü-Symbol
  3. Gehen Sie nun auf „Einstellungen“
  4. Anschließend auf „Konto“
  5. Klicken oder tippen Sie auf „Zu professionellem Konto wechseln“
  6. Klicken oder tippen Sie auf „Business“
  7. Um das Instagram-Business-Konto mit der Facebook-Unternehmensseite zu verknüpfen befolgen Sie die entsprechenden Schritte. Durch Verknüpfen der Konten können Sie alle Features der Facebook-Apps einfacher verwenden.
  8. Angaben wie Kategorie des Unternehmens oder Kontaktinformationen hinzufügen
  9. Klicken oder tippen Sie aufFertig“

2. Schritt: Einen Produktkatalog einrichten

Ihr Instagram Business Profil kann jetzt mit einem Facebook-Produktkatalog verbunden werden. Dazu ist eine Facebook-Unternehmensseite mit einem eingerichteten Business-Manager notwendig. So reichten Sie einen Katalog auf Facebook ein:

  1. Gehen Sie in ihrem Business-Manager in das Tool „Commerce Manager“
  2. Unter Kataloge können Sie einen Katalog hinzufügen, dabei müssen Sie sich für eine der vier Katalogarten entscheidenFacebook Katalogart
  3. Wenn Sie E-Commerce gewählt haben, gibt es 2 Möglichkeiten, die Produkte/Artikel zum Katalog hinzuzufügen:
    • „Produktinfos hochladen“, wenn Sie die Produkte/Artikel selbst hinzufügen
    • „E-Commerce-Plattform verknüpfen“, wenn die Produkte/Artikel bereits auf einer E-Commerce-Plattform eingestellt wurden. Eventuell muss kein Katalog erstellt werden, wenn die E-Commerce-Plattform eine Integration für Facebook hat und die Produkte/Artikel darüber importiert werden.
  4. Geben Sie Ihrem Katalog einen Namen

Richten Sie nun die Shopping-Funktion auf Instagram ein:

  1. Öffnen Sie die Instagram-App und wählen Sie die Profil-Einstellungen
  2. Klicken Sie auf „Business“ 
  3. Klicken Sie auf „Instagram Shopping“
  4. Lassen Sie Ihren Account überprüfen
  5. Warten und geduldig sein! Instagram benachrichtigt Sie, wenn Ihr Account die Prüfung bestanden hat. Das kann ein bis zehn Tage dauern! Schließen Sie dann die Einrichtung von Instagram Shopping in der App ab.

3. Schritt: Bilder und Videos der Produkte/Artikel für Instagram Shopping hochladen

Ist die Shopping-Funktion eingerichtet stehen Ihnen neue Funktionen im Feed und in den Storys zum Markieren zur Verfügung:

  1. Posten Sie einen neuen Beitrag
  2. Wählen Sie über die Option „Produkte markieren“ ein Produkt aus dem Katalog aus, das Sie im Beitrag zeigen
  3. Taggen Sie jetzt maximal 5 Produkte pro Foto- oder Videobeitrag mit einem Sticker und kennzeichnen Sie sie zum Verkauf. Bei Karussell-Posts sind bis zu 20 Markierungen möglich. Klickt der Besucher auf das Produktfoto, werden die Markierungen sichtbar.

Eine weitere Funktion im Instagram-Shopping-Account sind die Shopping-Storys. Anders als bei den Shopping-Posts darf man in einer Shopping-Story nur einen Produktsticker im Story-Beitrag platzieren, der dieselben Informationen wie sein Pendant im Feed-Post hat. Der Kunde wird also zur gleichen Einkaufsseite geleitet, zu der er auch durch den Feed-Post gelangt wäre. Beim Antippen der Einkaufstasche, wird der Kunde zu einer App-internen Landing Page weitergeleitet, wo er weitere Informationen zum Produkt/Artikel erhält. Anschließend kann es auf der Website des Unternehmens eingekauft werden.

Und so wird ein Shopping-Story-Sticker eingerichtet:

  1. Öffnen Sie die Story-Funktion
  2. Wählen Sie ein Foto aus, auf dem das Produkt zu sehen ist
  3. Tippen Sie auf die Sticker
  4. Tippen Sie auf „Produkt“.
  5. Das Produkt/der Artikel wird gekennzeichnet
  6. Mit dem Shopping-Sticker wird eine kleine Einkaufstasche angezeigt. So sieht der Kunde, dass man das Produkt/der Artikel direkt kaufen kann.

Im Dezember 2020 hat Instagram zudem die Tags auch für IGTV (long-form Videos) und das neue Format Reels (Kurzvideos) eingeführt. Testen Sie dies ebenso wie die anderen Formate, zumeist werden Early Adaptors neuer Features mit guten Reichweiten und Aufmerksamkeit belohnt.

Tipps zur Optimierung Ihres Instagram-Shops

  • Auf den Fotos und Videos sollte das Produkt klar erkennbar sein
  • Verwenden Sie nur hochwertige Fotos! Shopping-Posts werden generell kritischer betrachtet als andere Beiträge.
  • Die Shopping-Posts und -Storys sollten visuell zu Ihrer Marke passen und sich nicht zu sehr von Ihren übrigen Instagram-Posts unterscheiden.
  • Verwenden Sie Bildunterschriften, diese werden vom Instagram-Algorithmus begünstigt und ein Kunde wird schneller aufmerksam.
  • Achten Sie bei den Produkten auf eine klare Bezeichnung, den richtigen Preis und den korrekten Link.
  • Shopping-Sticker können seit Ende 2020 auch direkt in Ads platziert werden.
  • Benutzen Sie themenrelevante Hashtags, möglichst eine Mischung aus allgemeinen und themenspezifischen Hashtags.
  • Collections – themenspezifische Kollektionen wie Weihnachts-Kollektion, Special Edition etc. – anlegen.
Instagram Shop Tab

Neu bei Instagram Shopping seit November 2020 ist der Shop Tab, also eine prominente Platzierung auf der Startseite der Instagram App.

Facebook/Instagram-Advertising

Allein auf die organische Verbreitung von Posts und Storys kann man nicht bauen. Daher nehmen auch die Bewerbungsoptionen via Ads kontinuierlich an Vielfalt zu. Was Sie zum Start wissen sollten:

  • Eine von mehreren möglichen Zielsetzungen auswählen, die auf Sales abzielt. Primär sind dies die Ziele „Katalogverkäufe“ oder „(Webseiten-)Conversions“. Zur Not können Sie es auch mit dem Ziel „Webseiten-Traffic“ versuchen.
  • Damit die Ads funktionieren ist der Einbau des Facebook-Pixels in ihrem Shop bzw. der SDK (software developer kit) in ihrer App zwingend notwendig.
  • Mit dem Ziel „Katalogverkäufe“ lassen sich Dynamic Ads einsetzen. Diese maschinell erstellten Anzeigen reagieren auf Nutzersignale. Sie spielen automatisch die passenden Produkte aus ihrem Katalog aus. Empfohlen ist eine Mindestanzahl von 20 Produkten im Katalog. Im Targeting können Sie breit ansetzen und auf Personen abzielen, die noch keinen Kontakt mit ihren Produkten und ihrem Shop hatten. Oder diejenigen ansprechen, die schon Interesse an ihren Produkten gezeigt haben, Stichwort Re-Targeting.
  • Alternativ können Sie ihre Zielgruppe über Traffic-Ads (mit Ziel „Webseiten-Traffic“) ansprechen. Das Aufsetzen der Anzeigengruppen und Anzeigen liegt dann bei Ihnen.
  • Als Werbeformate kommen Fotos, Carousels, Collections sowie bei Traffic-Ads zusätzlich Videos und Slide-Shows in Frage.

Live Shopping – Live Selling – Streaming E-Commerce

Langweilige Verkaufsshow war gestern! Jetzt kommt das Live Shopping in die Social-Media-Kanäle. Wir kennen es von HRS24 und QVC: Shopping TV, die ihr angestaubtes Image längst abgelegt haben. Warum also nicht auch im Lieblings-Insta sofort kaufen, was mir vom Influencer dort empfohlen wird? Unterhaltungswert inklusive. Mit Live-Shopping in Social Media ist das möglich.

In China sind die Produkt-Shows längst zur abendfüllenden Unterhaltung geworden und auch in den USA gewinnt das Thema rasch an Beduetung. Ein Star des Hypes in China ist der „Lippenstiftkönig“ Li Jiaqi mit über 40 Millionen Followern auf Taobao, der am Singles-Day (11.11.) wieder alle Verkaufsrekorde gebrochen hat. Aber nicht nur auf der E-Commerce Plattform Taobao wird fleißig live-geshoppt: Auch auf dem chinesischen Pendant zu Tiktok – Douyin – und einer Vielzahl weiterer Plattformen kann direkt aus den Clips gekauft werden.

Jetzt kommt der Trend auch bei uns ins Rollen. Anfang November 2020 startete das Beauty Portal Flaconi mit bekannten Gesichtern der Beauty-Szene eine Stunde Live-Shopping auf Instagram, weitere Shows am Singles Day und am Black Friday folgten.

Live-Shopping auf Instagram bei Flaconi

Zum Kauf geht’s über einen Sticky Hinweis in der Kommentarspalte auf die Instagram-Bio. Auf der Landingpage wird der Einkauf dann abgeschlossen. Zwar ist das noch nicht das „nahtlose Shoppen“ der Zukunft, aber ein Start. Ebenfalls ins moderne Teleshopping eingestiegen ist Guido Maria Kretschmer mit Facebook-Shopping Anfang Dezember 2020. Offensichtlich sieht auch er darin großes Potenzial.

Wenn auch Sie sich das für Ihr Unternehmen vorstellen können, finden Sie hier eine Anleitung für Instagram Live-Shopping.

Bewertung und Ausblick

Social Media hat schon lange einen bedeutenden Einfluss auf das Shopping-Verhalten. Von der einstigen Inspirationsquelle entwickeln sich Instagram und Co. nun zu Absatzkanälen. Mit dem Konzept des „Discovery Commerce“ will Facebook die kaufwilligen User prognostizieren, ihnen Produkte samt relevanter Zusatzanreize liefern und dann reibungslos zum Kaufabschluss führen.

Eine zentrale Herausforderung wird sein, Content, Entertainment und Shopping gut zu kombinieren, so dass die Vorzüge von Social Media zur Geltung kommen. VR, AR und Live-Shopping sind wichtige Bausteine, um das digitale Shoppingerlebnis zu steigern. Zudem treten die Influencer*innen auf den Plan die die Grenzen zwischen Unterhaltung und Verkauf verschwimmen lassen. Weitere Aspekte um User in den Social Commerce zu ziehen sind Promotions und Rabattaktionen wie am Black Friday. Ebenfalls erwarten die Kunden einen Customer Service in real time, siehe hierzu  die neueste Shopify-Studie. Facebook und Instagram sind dabei mit der Integration von Facebook Messenger, Whatsapp und Instagram direct hervorragend aufgestellt. Und schließlich gewinnt die soziale Verantwortung von Marken an Bedeutung im E-Commerce.

Unternehmen bietet sich also eine Vielzahl von Möglichkeiten, das digitale Verkaufserlebnis zu fördern. Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Monaten deutlich mehr (Live-)Shopping-Erlebnisse sehen werden. Neben Instagram und Facebook beschäftigen sich auch fast alle anderen großen Plattformen mit der Verschmelzung von Social Media und E-Commerce. Amazon sucht Influencer und Kreatoren, um seine Plattform Amazon Live sexy zu gestalten. YouTube testet Shop-in-Video Funktionen und Pinterest, die visuelle Suchmaschine und Inspirationsquelle, ist ohnehin sehr produktnah und wird im Social Commerce seine Position weiter ausbauen. Schließlich gibt auch der neue Social Media-Liebling TikTok mächtig Gas und versucht, auf den Social Commerce-Zug schnell aufzuspringen u. a. mit einer Shopify-Kooperation. Wir bleiben am Ball und teilen unsere Beobachtungen und Erfahrungen zu Social Commerce kontinuierlich mit Ihnen. Siehe dazu auch unser Whitepaper zum kostenfreien Download.

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